Nagi ist bei den Khaling Rai eine Zeremonie die häufig durchgeführt wird. „Nagi“ wird vom „Nog Tscho“ , dem Schamanen, derjenigen Familie verordnet, die übermäßig von Krankheiten belästigt wurde. In einer Ecke in Haus der betroffenen Familie wird nach der Verordnung von „Nagi“ Chang auf einem etwa einen Meter hohen Holzgestell in einem kugelförmigen Behältnis aus Ton aufgestellt. Vier Monate reift er dort unberührt. Danach ist er stark genug um „Heilmittel“ zu sein. Dann kommt der „Nog Tscho“ zur Zeremonie in das betreffende Haus. Bei dem „Nagi“, das wir miterleben durften waren es der „Nog Tschos“ sogar zwei. Sie stimmten nach dem Genuss von reichlich vier Monate altem Chang einen Sprechgesang an. Heiser, ja fast stimmlos beteten sie lange. Unter anderem wurden Namen von Kraftplätzen genannt, beispielsweise fiel das Wort „Kailash“ mehrmals. Hinzu kamen die Namen der speziellen Kraftplätze der Urväter der Rai. Letztere liegen nur wenige Tagesmärsche vom Dorf entfernt. An diesen Kraftplätzen ruhen angeblich die Seelen der Toten, besser gesagt derer, die eines natürlichen Todes gestorben sind. Uns wurde mitgeteilt, dass dort die Stimmen der Verstorbenen noch öfters zu hören seien.
Tote hätten eine gute letzte Reise, wenn sie vor der Beerdigung mit Chang gefüllt, (vielleicht auch gereinigt?)werden. Diese Behandlung wird aber nur Menschen zuteil, die eines natürlichen Todes gestorben sind. Wer außer Haus stirbt, d. h. verunglückt, der wird in der Regel nicht nach Hause gebracht. Meist wird dieser Tote in der Nähe des Unglücksortes begraben. Da sein Leben unerwartet abgebrochen wurde, gehen die Khaling Rai davon aus, dass er schlecht auf das Ende vorbereitet war und deshalb die Seele keine Ruhe findet. Sie findet nicht an die Stätten der Urväter, d. h. an die Kraftorte. Um diesen ruhelosen Seelen eine Bleibe zu verschaffen haben Priester im Lauf der Geschichte der Rai verfügt, dass in der Nähe ihrer Heimatdörfer an einem von Priester bestimmten Ort ein so genanntes „Thaplu“, ein Gedenkstein aufgestellt wird. Menschen, die eines natürlichen Todes sterben, werden unweit ihrer Häuser und Angehörigen beerdigt. Auf dem Gedenkstein steht nicht, wie unsereins aus Gewohnheit erwarten würde der Name des Toten geschweige denn sonstige Daten oder gar Titel. Nein, hier gilt wirklich: „Erde zu Erde, Staub zu Staub“: Für die Rai ist die Erde heilig. Sie würde verschmutzt wenn die Toten, wie es sonst in Nepal üblich ist verbrannt würden. Wenn der Tote begraben wird schenkt er der Erde nach dem Glauben der Rai wieder Fruchtbarkeit und trägt so zum Lebenskreislauf bei, so die Erklärung der Khaling Rai dazu. Erlebt haben wir noch vieles mehr auf unserem Kultur-Kontakt-Trekking. Zu viel, als dass es auf dieser Seite seinen Niederschlag finden kann, es war faszinierend!
Fazit der Reise insgesamt:
Die Kultur ist noch lebendig bei den Rai, aber kaum überliefert, jüngere Menschen wissen nicht um die kulturellen Hintergründe ihres Handelns und sind nun begeistert über unser Interesse, wunderten sich, dass sie selbst nie gefragt haben und hören gespannt dem Schamanen bei seinen Erzählungen zu, fragen jetzt auch!
Den Kontakt halten wir gerne weiter. Wir waren die ersten Touristen im „Radudel“ wo es noch keinen Strom und fließendes Wasser nur an den Brunnen gibt. Wir haben viel bekommen bei den Rai, Anregungen erhalten und gegeben, Freundschaften geschlossen. Geben wollen wir in Zukunft bei jedem Besuch von jedem Gast einen Teil des Reisepreises für die Dorfentwicklung und die Schule.
Das Trekken kommt nicht zu kurz, schließlich gelangt man nur zu Fuß nach „Radudel“!