Kultur-Kontakt-Trekking Nr.1: ein Riesenerfolg!
Unsere Begegnungen mit den „Khaling-Rai“ in Nepal waren sehr intensiv, ihre Kultur und Feste einzigartig und fantastisch!
(Teilnehmer kommentieren:)
Schon unser Reisetermin Anfang April 2008 bot Einmaliges: nicht nur wegen der zahllosen Feste im April, sondern auch, weil die  mehrfach verschobenen Parlamentswahlen zu dem Zeitpunkt tatsächlich stattfanden! Auch das ergab besondere Situationen:
  1. mangels Alternativen mussten die Wahlbeauftragten am Abend des 09. April eng zusammenrücken und ihre Herberge mit uns teilen.....
  2. am folgenden, dem Wahltag wurden wir neugierige Touristen teilweise etwas argwöhnisch betrachtet: das werden doch nicht internationale Wahlbeobachter sein.....
  3. der Transport der Wahlurnen am Tag nach der Wahl zum einige Tagesmärsche entfernten Flughafen erfolgte  auf dem Rücken von Trägern unter bewaffnetem Begleitschutz, interessant....
Doch nun zu den „Spezialitäten“, die wir unter freundlichen und interessierten Bewohnern in Radudel trafen:
  1. einen „Haupt“-Schamanen mit heilender, medizinischer Ausrichtung, „Nog Tscho“ werden diese Medizinmänner genannt. Der Nog Tscho von Radudel, Sharke, ist Mediziner, Psychologe, Sozialarbeiter und Kräutersammler zugleich.....  
  2. mehrere Würdenträger, die nut bestimmte Rituale ausüben dürfen. „Was Nog Tschos“ sozusagen Zeremonienmeister. Unter ihnen sorgen zwei „Auszubildende“ hoffentlich für das Überleben einmaliger Traditionen......
  3. einen extrem würdevollen Dorfältesten, der weiß, was für wen in seinem Dorf gut ist und was nicht, der sich aber auch nicht zu schade ist, mit den Kindern und allen Dorfbewohnern zusammen „hot potatoe“ zu spielen, schließlich spielten ja die Zeremonienmeister auch mit....
  4. einen „Jungunternehmer“, der etwas abgelegen vom Dorf, an einem ruhigen, doch von Touristen nicht gänzlich unberührten  Weg eine Lodge eröffnen wollte. 2004 von den Maoisten verjagt lebt er in Kathmandu, wo er sich nach eigenen Aussagen nicht so richtig wohl fühlt. Auch 2011 ist es ihm noch zu unsicher ins Dorf zurückzukehren, zu investieren.....
  5. zahlreiche energiegeladene ältere Damen, die mit uns, mit etwas Chang aus riesigen Ritualbechern und ein wenig Rakschi  (Reisschnaps) mit brennenden Kräutern ins Neue Nepalesische Jahr 2065 rutschten.  Der offizielle nepalesische Kalender heißt Bikram Sambat. Er basiert auf alter Hindu-Tradition und ist unserer Zeitrechnung knapp 57 Jahre voraus....
  6. eifrige Schulkinder für die der Schulbesuch leider nicht selbstverständlich ist.....
  7. einen idealistisch eingestellten Lehrer, der mit einfachsten Mitteln und geringem Lohn an der so genannten „government school“ unterrichtet. Der Baugrund auf dem die Schule steht wurde von den Dorfbewohnern gekauft und die Schule mit Mitteln des kleinen Dorfes gebaut. Erst als 100 Schüler bereits warteten wurde Erzählungen der Dorfbewohner zufolge ein einziger Lehrer geschickt.
Kein Sherpa ist Rai, doch viele Rai sind Sherpas!
zurück disclaimer 
 
Der Ältestenrat lädt uns ganz herzlich ein, wieder an ihren Ritualen teilzunehmen, ja er bittet nahezu darum! Das ganze Dorf ist an einem weiteren Austausch interessiert. Selbstverständlich ist das Dorf auch an Unterstützung interessiert!
Wir unterstützen gerne!
  1. 2008 ließen die ersten westlichen Gäste im Dorf eine Spende für die Dorfschule zurück, die vor wenigen Wochen, als die Arbeiten auf den Feldern für diese Saison beendet waren, ihr 10-jähriges Bestehen feierte.
  2. 2008/09 bei jedem Vortrag über die Khaling Rai steht eine Spendenkasse bereit. Der Erlös wird bei unserer Reise im April 2009 dem Ältestenrat von Radudel übergeben. Dann kann entschieden werden, was am sinnvollsten für Radudel ist: Vielleicht wird ja der Traum von einem Notstromaggregat wahr...
  3. SPENDEN ZUR DORFENTWICKLUNG VON RADUDEL WERDEN MIT FREUDEN ZU 100% UND ZUVERLÄSSIG ÜBERMITTELT! Ankündigung via e-mail:
 
Um mehr über die Khaling - Rai zu erfahren haben Sie zwei Möglichkeiten:
1. Die beste Art: Teilnahme am 3. Kultur-Kontakt-Trekking im April oder Mai 2010!
2. Vortrag bestellen zum Thema „Kein Sherpa ist „Rai“, doch viele „Rai“ sind Sherpas!
Nagi ist bei den Khaling Rai eine Zeremonie die häufig durchgeführt wird. „Nagi“ wird vom „Nog Tscho“ , dem Schamanen, derjenigen Familie verordnet, die übermäßig von Krankheiten belästigt wurde. In einer Ecke in Haus der betroffenen Familie wird nach der Verordnung von „Nagi“ Chang auf einem etwa einen Meter hohen Holzgestell in einem kugelförmigen Behältnis aus Ton aufgestellt. Vier Monate reift er dort unberührt. Danach ist er stark genug um „Heilmittel“ zu sein. Dann kommt der „Nog Tscho“ zur Zeremonie in das betreffende  Haus. Bei dem „Nagi“, das wir miterleben durften waren es der „Nog Tschos“ sogar zwei. Sie stimmten nach dem Genuss von reichlich vier Monate altem Chang einen Sprechgesang an. Heiser, ja fast stimmlos beteten sie lange. Unter anderem wurden Namen von Kraftplätzen genannt, beispielsweise fiel das Wort „Kailash“ mehrmals. Hinzu kamen die Namen der speziellen Kraftplätze der Urväter der Rai. Letztere liegen nur wenige Tagesmärsche vom Dorf entfernt. An diesen Kraftplätzen ruhen angeblich die Seelen der Toten, besser gesagt derer, die eines natürlichen Todes gestorben sind. Uns wurde mitgeteilt, dass dort die Stimmen der Verstorbenen noch öfters zu hören seien.
Tote hätten eine gute letzte Reise, wenn sie vor der Beerdigung mit Chang gefüllt, (vielleicht auch gereinigt?)werden. Diese Behandlung wird aber nur Menschen zuteil, die eines natürlichen Todes gestorben sind. Wer außer Haus stirbt, d. h. verunglückt, der wird in der Regel nicht nach Hause gebracht. Meist wird dieser Tote in der Nähe des Unglücksortes begraben. Da sein Leben unerwartet abgebrochen wurde, gehen die Khaling Rai davon aus, dass er schlecht auf das Ende vorbereitet war und deshalb die Seele keine Ruhe findet. Sie findet nicht an die Stätten der Urväter, d. h. an die Kraftorte. Um diesen ruhelosen Seelen eine Bleibe zu verschaffen haben Priester im Lauf der Geschichte der Rai verfügt, dass in der Nähe ihrer Heimatdörfer an einem von Priester bestimmten Ort ein so genanntes „Thaplu“, ein Gedenkstein aufgestellt wird. Menschen, die eines natürlichen Todes sterben, werden unweit ihrer Häuser und Angehörigen beerdigt. Auf dem Gedenkstein steht nicht, wie unsereins aus Gewohnheit erwarten würde der Name des Toten geschweige denn sonstige Daten oder gar Titel. Nein, hier gilt wirklich: „Erde zu Erde, Staub zu Staub“: Für die Rai ist die Erde heilig. Sie würde verschmutzt wenn die Toten, wie es sonst in Nepal üblich ist verbrannt würden. Wenn der Tote begraben wird schenkt er der Erde nach dem Glauben der Rai wieder Fruchtbarkeit und trägt so zum Lebenskreislauf bei, so die Erklärung der Khaling Rai dazu. Erlebt haben wir noch vieles mehr auf unserem Kultur-Kontakt-Trekking. Zu viel, als dass es auf dieser Seite seinen Niederschlag finden kann, es war faszinierend!
Fazit der Reise insgesamt:
Die Kultur ist noch lebendig bei den Rai, aber kaum überliefert, jüngere Menschen wissen nicht um die kulturellen Hintergründe ihres Handelns und sind nun begeistert über unser Interesse, wunderten sich, dass sie selbst nie gefragt haben und hören gespannt dem Schamanen bei seinen Erzählungen zu, fragen jetzt auch!
Den Kontakt halten wir gerne weiter. Wir waren die ersten Touristen im „Radudel“ wo es noch keinen Strom und fließendes Wasser nur an den Brunnen gibt. Wir haben viel bekommen bei den Rai, Anregungen erhalten und gegeben, Freundschaften geschlossen. Geben wollen wir in Zukunft bei jedem Besuch von jedem Gast einen Teil des Reisepreises für die Dorfentwicklung und die Schule.
Das Trekken kommt nicht zu kurz, schließlich gelangt man nur zu Fuß nach „Radudel“!
 
 
 
 
 
 
 
 
Kultur-Kontakt-Trekking konkret erlebt: Alltag und Feiertag - Religion und Rituale
Recherchen über die Ethnie der Rai ergaben, dass diese in stattlichen Häusern leben. Die haben wir vergeblich gesucht. Zumindest die Khaling-Rai, bei denen wir zu Gast sein durften, leben in recht kleinen ebenerdigen Lehmhütten mit meist nur einem Raum. Das wichtigste scheint darin die Feuerstelle zu sein und ein Gefäß mit heiligem Chang, das erhöht in einer Ecke steht.
Chang ist als tibetisches Gerstenbier eher bekannt. Im nepalesischen Bergland wird er entsprechend den örtlichen Anbauprodukten aus Mais und Weizen gebraut bzw. „gekocht“. Chang spielt neben dem Rakshi (Reisschnaps) bei zahlreichen Festen eine bedeutende Rolle. Zudem hat er kultische Bedeutung.